Gewitter mit Starkregen im Gemeindegebiet

Einsatz Nr.: 13-43
Datum: 01. Juli 2020
Alarmzeit: 19:04 Uhr
Alarmierungsart: TH 1
Einsatzart: TH Wasser
Einsatzort: Kirchberg – Sinningen
Fahrzeuge an der Einsatzstelle: Tragkraftspritzenfahrzeug TSF, Löschgruppenfahrzeug LF 16 / 16, Mannschaftstransportwagen
Zusätzliche Kräfte an der Einsatzstelle: Bürgermeister, FFW Dettingen, FFW Erolzheim


Einsatzbericht:

Nach Gewitter mit Starkregen in 2 Blöcken zwischen 18 – 19 Uhr und 20 – 21 Uhr mit insgesamt 100 l/m² wurden wir ab 19.04 Uhr von der ILS Biberach zu mehreren TH-Wasser Einsätzen im Gemeindegebiet alarmiert. Durch den Starkregen drang in vielen Wohnhäuser Wassermengen zwischen 3 cm bis 1 m ein. Auch der Keller der Festhalle wurde in Mitleidenschaft gezogen. Hier stand das Wasser bis zu 5 cm auf einer Fläche von 300m². An den jeweiligen Einsatzstellen saugten oder pumpten wir die betroffenen Bereiche durch Hilfe von Wassersauger oder Tauchpumpen ab. Zahlreich gemeldete Einsatzstellen wurden von uns kontrolliert, bei diesen aber letzendlich kein Eingreifen unsererseits erforderlich gewesen ist. Ein Dank gilt an dieser Stelle noch der Feuerwehr Dettingen, welche uns ab 22 Uhr mit Personal und Equipment an den Einsatzstellen unterstütze. Nachdem alle Einsatzstellen abgearbeitet waren, rückten wir schlussendlich um ca. 4 Uhr morgens wieder ein und stellten die Einsatzbereitschaft wieder her.

Bericht im Mitteilungsblatt der Gemeinde Kirchberg an der Iller vom 09.07.2020

Starkregen vom 01. Juli 2020
Am Mittwoch, den 01. Juli 2020 wurde unsere Gemeinde von mehreren Gewitter mit Starkregen und Hagel heimgesucht. Innerhalb von 3 Stunden fielen über 100 ltr./m². Ein hundert-jähriges Regenereignis liegt laut Skala bei 69 ltr./m² in 3 Stunden. Damit kann man sehen, mit welchen Wassermassen wir zu kämpfen hatten. Dies konnte auch in keinster Weise von der Kanalisation aufgefangen werden. Beginnend ab 19 Uhr bis nach 4 Uhr war unsere Feuerwehr bei 36 über die Leitstelle gemeldeten Einsätzen. Teilweise mit Unterstützung durch die Feuerwehren Dettingen und Erolzheim. An dieser Stelle sei allen Feuerwehrkameraden/innen für euer ganz besonderes Engagement recht herzlich gedankt! Was würden wir ohne euch machen? Und nachdem die gesamte Gemeinde betroffen war, werden wir die Feuerwehreinsätze auch den Betroffenen nicht in Rechnung stellen! Aber auch viele Personen und Nachbarn haben pragmatisch geholfen, wo Hilfen benötigt worden sind. Auch hierfür sei recht herzlich gedankt! Gute Dienste leistete der bei uns vom Landkreis Biberach stationierte Hochwasserschutz-Container mit gefüllten Sandsäcken, diese wurden nahezu alle aufgebraucht. Die Gemeinde wird selbstverständlich die Kosten für die Neubefüllung übernehmen. Viele private Keller, Häuser und Grundstücke wurden über-schwemmt. Natürlich wieder an den neuralgischen Stellen (Im Ried, Gutenzeller Straße), aber aufgrund der Massen auch an Stellen, an denen es bisher selten oder noch nie zu Überschwemmungen kam. Hier hoffen wir auf nicht allzu große Schäden. Auch gab es einige Hangrutsche und umgestürzte Bäume. Die Straße nach Erolzheim musste aufgrund Überschwemmungen für den Verkehr gesperrt werden. Aus kommunaler Sicht besonders in Leidenschaft gezogen worden sind der Spielplatz im Häldele und das darunterliegende Regenrückhaltebecken. Hier werden kostenintensive Sanierungsmaßnahmen nötig sein. Aus diesem Grunde ist der Spielplatz Häldele bis auf weiteres gesperrt. Auch muss der Friedhof in Kirchberg mit besonderer Vorsicht betreten werden. Denn hier gab es viele Unterspülungen von Gräbern. Die Grabbesitzer sind angehalten, die Schäden kurzfristig zu beheben. Auch stand der Keller in der Festhalle unter Wasser und beschädigte Eingelagertes in den Vereinsräumen. Im Schwendier Weg ist der Straßenbelag unter dem Druck der Kanalisation aufgeplatzt. In normalen Zeiten oft als unnötig und überdimensioniert erachtet, haben die Regenüberlaufbecken (RÜB) in unserer Gemein-de im Rahmen ihrer Möglichkeiten dennoch gute abmildernde Dienste geleistet. Beim neusten RÜB im Häldele ist in beiden Becken der Notüberlauf angesprungen, die Becken selbst sind aber nicht übergeschwappt. Ebenso im Baugebiet Riemen II (Abt-Vitalis-Str.) in Kirchberg und in Reute (Stockäckerweg) in Sinningen. Das Regenrückhaltebecken des Abwasserzweckverbands Mittleres Illertal (AZVMI) im Weihermahd (Finkenstraße) hatte zum ersten Male deutlich sichtbare Einstauungen in bisher nicht gekannten Dimensionen. Die vor kurzem durch die Gemeinde installierten Betongewichte auf den 2 Schachtdeckeln der Bachverdolung hielten dem Druck stand und erhöhten die Leitungsfunktion und ggf. auch den Rückstau in das Rückhaltebecken. Die Wassermassen aus dem westlichen Außengebiet zwischen Kirchberg und Erolzheim haben sich auf der Landstraße zu einem reißenden Fluss entwickelt. Deshalb musste diese Straße auch gesperrt werden. Über den Mauchenbach fließt dieses Wasser nach Kirchberg. Ohne unsere Mauchenbach-Frei- und Umverlegung mit Schaffung von Retentionsvolumen und Zeit-verzug, wäre unser Gewerbegebiet im Altkellmünzer Weg auch betroffen gewesen bzw. wären Nordhofen und Sinningen vermutlich in Teilen stark überschwemmt worden. Oft wird in solchen emotionalen Momenten mir, dem Gemeinderat und der Gemeinde vorgeworfen, dass v.a. mit dem Baugebiet Häldele sich die Gesamtsituation der Ortsentwässerung deutlich verschlechtert habe. Ich möchte das Gegenteil behaupten. Ich glaube letzten Mittwoch hätten wir von einem unbebauten und ungeregelten „Häldele“ ungeahnte Wasser-massen erfahren, welche zu einer Katastrophe einer ganz anderen Größenordnung geführt hätten v.a. im Bereich Fabrikstraße und Waldstraße. Als Gesamtgemeinde sind wir nun noch einmal mit zwei blauen Augen davongekommen, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass einzelne immer wieder sehr stark betroffen und geschädigt sind von solchen Überschwemmungen. Wir werden aber niemals Wassermassen in diesen oder vielleicht noch größeren Dimensionen (Klimawandel lässt grüßen!) vollständig in den Griff bekommen können. Deshalb ist es wichtig, dass neben der Gemeinde auch jeder einzelne nach seinen Möglichkeiten Starkregenvorsorge auf seinem Grundstück betreibt. Und die Gemeinde wird auch weiterhin gut beraten sein, bei künftigen Baumaßnahmen (z.B. Ausbau Finkenstraße, Nordhofer Weg) neben der ordentlichen örtlichen Entwässerung auch die Außengebietsentwässerung immer mit zu betrachten. Nur gemeinsam können wir hier künftig Verbesserungen erreichen!
Mit freundlichen Grüßen,
Jochen Stuber, Bürgermeister

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